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Fliegende Tankstelle über Ostdeutschland

 

Luftbetankung ist fester Bestandteil der Pilotenausbildung auf dem Eurofighter

 

Nach rund 30 Minuten erreicht der um 13:15 Uhr in Köln-Bonn gestartete Airbus A310 MRTT der Luftwaffe einen eigens reservierten Luftraum bei Holzdorf im Süden von Berlin, um sich dort mit 4 Eurofightern zu einer Übung der besonderen Art zu treffen. Die Eurofighter waren zeitgleich gestartet und benötigen nun neues Kerosin, um ihren Ausbildungseinsatz erfolgreich abschließen und den Rückflug zu ihrem Fliegerhorst in Laage bei Rostock antreten zu können. Nach einem kurzen Kontakt per Funk beginnt der eigentliche Betankungsvorgang, der für den Außenstehenden spektakulär wirken mag und auch für die Flugschüler aus Laage zu einem der Highlights ihrer Ausbildung gehört: Nach und nach verriegeln die Maschinen bei einer Geschwindigkeit von über 500km/h ihre Tanksonde im Luftbetankungskorb des Airbus. Über den Luftbetankungsschlauch verbunden, verweilen die Eurofighter während der Kraftstoffaufnahme bis zu zehn Minuten in dieser Position. Danach entriegeln sie ihre Tanksonde wieder und schaffen Platz für die nächste Maschine. Die anderen Eurofighter halten währenddessen eine enge Formation zum Betankungsflugzeug und warten, bis sie an der Reihe sind. Während dieser Zeit instruiert die Airbus-Crew nicht nur die zu betankende Maschine, sondern koordiniert auch alle anderen Maschinen. In einem realen Einsatz dienen die wartenden Maschinen aber auch dem Schutz der gesamten Formation. Dazu suchen sie das Umfeld nach möglichen Aggressoren ab, um diese gegebenenfalls bekämpfen zu können. Erst wenn alle Maschinen den Betankungsvorgang abgeschlossen haben, verlässt der gesamte Eurofighter-Schwarm die Formation mit dem Airbus und setzt seine Mission fort. Die Flugschüler des Taktischen Luftwaffengeschwaders 73 "Steinhoff" wiederholen diese Luftbetankungsübung während ihrer Ausbildung etwa drei- bis viermal, sodass sie später in der Lage sind, Verlegungen mit dem Eurofighter über weite Distanzen hinweg durchzuführen. Diese könnten zum Beispiel im Krisenfall oder bei der Teilnahme an multinationalen Übungen im Ausland erforderlich werden. Im Ernstfall könnte aber mit Hilfe der Luftbetankung auch die Einsatzdauer auf einem Gefechtsfeld deutlich erhöht werden. Schlussendlich stellt die Luftbetankung für die Flugschüler immer auch eine gute Gelegenheit dar, den präzisen Formationsflug und damit den punktgenauen Umgang mit ihrem Waffensystem zu schulen. So führen die Piloten auch nach der erfolgreichen Ausbildung in Laage und ihrer anschließenden Versetzung in einen Einsatzverband der Luftwaffe in regelmäßigen Abständen Luftbetankungsmissionen durch, um die dazu erforderlichen fliegerischen und taktischen Fähigkeiten in Übung zu halten. Auch für die Crew des MRTT sind die die regelmäßigen Übungseinsätze wichtig, um standardisierte „Procedures“, also Verfahrensweisen, einüben zu können. Solche Standardverfahren gibt es für alle erdenklichen Situationen während des Betankungsvorgangs und auch bei Störungen kann mit ihrer Hilfe schnell reagiert und die Sicherheit aller beteiligten Besatzungen gewährleistet werden. So endet schließlich auch diese Übungsmission nach ca. vier Stunden ohne Zwischenfall mit der Landung auf dem Flughafen Köln/Bonn.

 

Christoph Wagner und Daniel Kehl

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